Projektkonzeption

„Fit im Forst“
Eine Intervention für Forstwirte im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung

 

Das Berufsbild Forstwirt gehört zu den zehn Berufen mit dem höchsten relativen Risiko für eine rückenschmerzbedingte Arbeitsunfähigkeit (vgl. Seidler et al. 2008). Die Tätigkeitsbereiche eines Forstwirtes liegen schwerpunktmäßig im Bereich der Holzernte, Waldpflege und Waldbegründung, wobei die manuelle Holzernte hierbei mit über 60% das Gros ausmacht (vgl. Gröger & Lewark 2002). Das Heben und Tragen schwerer Lasten und das Arbeiten in gebückter Haltung stellen dabei eine große Belastung für den Stütz- und Bewegungsapparat, insbesondere für die Wirbelsäule dar (vgl. Lühmann 2005). Daraus entstehen häufig Rückenbeschwerden und durch die Entwicklung muskulärer Dysbalancen hervorgerufene Fehlbelastungen und –haltungen (vgl. Ludwig et al. 2006). Die Folge ist eine Zunahme der durch Muskel- und Skeletterkrankungen hervorgerufenen Arbeitsunfähigkeitstage.

 

Um diesen enormen körperlichen und monotonen Arbeitsbelastungen entgegenzuwirken und die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu fördern, konzipierte die Betriebsleitung der Niedersächsischen Landesforsten zusammen mit den Betriebsärzten und der Sportmedizin des Instituts für Sportwissenschaften der Universität Göttingen eine Intervention zur Gesundheitsförderung von Forstwirten. Grundlage für die Konzeptionierung dieser trainingswissenschaftlich fundierten, primär- und sekundärpräventiven Maßnahme bildete einerseits eine Abfrage der berufsbedingten Hauptbeschwerdebereiche bei den Forstwirten und andererseits das allgemeine Belastungs- und Beanspruchungsprofil bei der Waldarbeit.

 

Die Intervention wurde zunächst als Pilotprojekt in fünf Forstämtern in einem Zeitraum von sechs Monaten durchgeführt und wissenschaftlich evaluiert. Signifikante Verbesserungen in den Bereichen Körperhaltung, Gleichgewichtsfähigkeit, Maximalkraft sowie Gesundheitswahrnehmung führten zur Fortsetzung und Erweiterung des Projektes auf alle 25 Forstämter in Niedersachsen für einen Zeitraum von drei Jahren.

 

Seit März 2009 treffen sich an jedem dieser 25 Standorte an 34 Einheiten pro Jahr alle ca. 500 niedersächsischen Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister zusammen mit der Forstamtsleitung zum Training von „Fit im Forst“. Geleitet wird das Training von Physio- und/oder Sporttherapeuten. Als Grundlage zur Trainingsdurchführung dienen spezielle, auf das Anforderungsprofil eines Forstwirtes ausgerichtete Übungsmanuale, die auf inhaltlicher Ebene eine ganzheitliche Trainingsausrichtung verfolgen.

 

Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung des Projektes führt das Institut für Sportwissenschaften der Universität Göttingen durch. Hierfür wurde zunächst eine Untersuchungsgruppe aus 100 Forstwirten gebildet, welche als repräsentative Stichprobe dient. Mittels verschiedener Messmethoden sollen mögliche Veränderungen auf physischer und psychischer Ebene im Rahmen einer Längsschnittuntersuchung getestet werden. Es werden verschiedene Verfahren zur Diagnostik motorischer Parameter (Beweglichkeit, Gleichgewichtsfähigkeit und Kraftleistungsfähigkeit) und ein standardisierter Fragebogen zur körperlichen und psychischen Gesundheitswahrnehmung eingesetzt.